Franchising in Deutschland – Tendenz steigend

Franchising in Deutschland – Tendenz steigend

Karin Weinzierl,
Editorin für Franchise Direkt

Auch wenn die Grundidee, ein Unternehmen durch Franchising zu vergrößern, in Deutschland bei weitem nicht so weit verbreitet ist wie beispielsweise in den USA oder Großbritannien, so hat die Franchiseindustrie in den letzten 10 Jahren doch kräftig an Bedeutung gewonnen.

Franchising in Deutschland 1.jpgZwischen 2001 und 2011 beispielsweise stieg die Anzahl der in Deutschland tätigen Franchise-Unternehmen von 750 auf 990. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Angestellten in der Franchise-Industrie von 250.000 auf knapp unter 500.000. Der stetige Aufwärtstrend dieser Entwicklung beweist, dass die Franchise-Industrie in Deutschland noch einiges an Wachstumsspielraum zur Verfügung hat. Auch die Wachstumsraten und Umsatzzahlen der Franchise-Unternehmen in Deutschland sehen Jahr für Jahr sehr vielversprechend aus:
Im Jahr 2011 beispielsweise setzte die Franchise-Industrie in Deutschland insgesamt €60,4 Mrd
. um. Vergleicht man dies nun mit einem Jahresumsatz in Höhe von 22.7 Mrd. Im Jahr 2001, so wird das rasante Wachstum dieses Wirtschaftszweiges noch deutlicher. Auf Grundlage dieser Zahlen hat die Franchise-Industrie in Deutschland ihrem Gesamtumsatz innerhalb von 10 Jahren um über 100 % gesteigert.1

Eine Studie der Deutschen Bank aus dem Jahr 2007 hat ergeben, dass die geschätzten jährlichen Zuwachsraten bei den Franchiseunternehmen in den nächsten 5 Jahren (also bis einschließlich 2012) mindestens doppelt so hoch sein werden wie die geschätzte Steigerungsrate des deutschen Bruttosozialprodukts im gleichen Zeitraum.2

Auch wenn die meisten auf dem deutschen Markt aktiven Franchise-Systeme auch aus Deutschland bzw. Österreich stammen, so hält der Markt doch auch für ausländische Franchisegeber große Chancen bereit. Der Erfolg von Firmen wie MacDonalds oder REMAX hat gezeigt, dass man mit dem richtigen Konzept im richtigen Sektor auch in Deutschland sehr erfolgreich sein kann. Eine Nachfrage beim Deutschen Franchise Verband hat ergeben, dass der geschätzte Prozentsatz amerikanischer Franchise-Unternehmen in Deutschland heute zwischen 5% und 7% liegen dürfte.3

Insgesamt betrachtet sind Franchise-Unternehmen in Deutschland in 16 verschiedenen Branchen aktiv. Der derzeit beliebteste Industriesektor scheint hierbei der Dienstleistungssektor zu sein. Ca. 40% aller Franchise-Konzepte in Deutschland zählten 2011 zu den Dienstleistungsunternehmen. Diese Zahl hat sich, verglichen mit Zahlen aus vergangenen Jahren, zu Gunsten von Einzelhandel und Handwerk, verringert. Doch auch hier gibt es einige neue Möglichkeiten, die für internationale Franchisegeber mit dem richtigen Konzept Erfolg versprechend sein könnten:

Welche Industrie-Sektoren sind derzeit in Deutschland am Beliebtesten? (Stand 2011)

Dienstleistung: 40%
Einzelhandel: 32%
Gastronomie und Tourismus: 16%
Handwerk: 12%

Andere Statistiken zeigen auch, dass in einigen Sektoren die steigende Nachfrage zukünftig nicht vom derzeitigen Angebot gedeckt werden kann. Bedingt durch eine alternde Bevölkerung und chronischen Geldmangel im deutschen Gesundheitssystem beispielsweise wird die Nachfrage nach alternativen Betreuungs- und Pflegedienstleistungen (sowohl ambulant als auch stationär) in den kommenden 20 Jahren sprunghaft ansteigen. Für Franchisegeber mit gut laufenden Konzepten auf diesem Gebiet sollten bereits jetzt über eine mögliche Expansion nach Deutschland nachdenken.

Das Potenzial ist beachtlich: Schätzungen gehen davon aus, dass sich bis zum Jahr 20505 die Zahl der Menschen, die auf professionelle Pflegedienstleistungen angewiesen sein werden, auf bis zu 4,6 Mio angestiegen sein wird.

Franchising in Deutschland 2.jpgTrotz der attraktiven Zukunftsaussichten hat der deutsche Franchisemarkt aber auch seine Tücken und Nachteile: Einer davon beispielsweise ist die Verfügbarkeit von passenden Finanzierungshilfen. Hier besteht in Deutschland eindeutig noch ein großer Nachholbedarf. Einige Franchisenehmer beispielsweise waren gezwungen, Finanzierungsangebote von verschiedenen Anbietern in Anspruch zu nehmen, um den Start in die Selbstständigkeit finanzieren zu können.

Die Deutsche Bank versucht derzeit, die Marktlücke der Franchise-Finanzierung mit dem Finanzierungspaket FranchiseFinance zu schließen. Dieses Kreditprogramm ist maßgeschneidert für die spezifischen Finanzierungsbedürfnisse von Franchisekonzepten und kann auf einfache Art und Weise an verschiedene Franchisesysteme angepasst werden.

Mit der Auflegung dieses Finanzierungskonzeptes könnte der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit für Existenzgründer erheblich erleichtert werden.

Ein sehr wichtiger Punkt, der vor einer Expansion auf den deutschen Markt unbedingt in Betracht gezogen werden muss, sind die rechtlichen Unterschiede, die es unter Umständen zwischen den betroffenen Ländern gibt. Der wichtigste Unterschied zwischen dem Franchiserecht in Amerika und in Deutschland beispielsweise ist das Fehlen des Franchise Disclosure Law. Standardwerke der Gesetzesgrundlagen in Deutschland sind stattdessen das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) bzw. das Handelsgesetzbuch (HGB). Die in der deutschen Franchisewirtschaft gebräuchlichen Verträge basieren auf einer Mischung verschiedener rechtlicher Vorgaben, zum Beispiel aus dem Handelsrecht, dem Gesellschaftsrecht, dem Schuldrecht und dem Wettbewerbsrecht. Zusätzlich dazu gibt der Deutsche Franchiseverband Merkblätter mit Richtlinien zur korrekten Gestaltung von Franchiseverträgen heraus. Nach Angaben des Deutschen Franchiseverbandes6 wird die derzeit gültige Richtlinie aus dem Jahr 2003 momentan komplett überarbeitet.

Auch die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sollte man bei der Planung einer Unternehmensexpansion nicht außer Acht lassen. 12% der im Moment in Deutschland tätigen Franchisebetriebe gehören dem traditionellen Handwerk an (z. B. Schreinereien, Teppichbodenleger etc.). Verglichen mit dem Anteil der Franchise-Handwerksbetriebe in anderen europäischen Ländern scheint diese Zahl überraschend niedrig.
Hintergrund hierfür ist aber die Tatsache, dass diese Berufe in Deutschland strengen Handwerks- und Ausbildungsverordnungen unterliegen. Dadurch sinkt die Zahl der potenziellen Franchisenehmer natürlich erheblich da es im deutschen Ausbildungssystem bestimmte Vorgaben gibt, die erfüllt werden müssen bevor man sich mit einem bestimmten Handwerksbetrieb selbstständig machen kann (z. B. fachbezogene Ausbildung bzw. in manchen Fällen auch der Meisterbrief). Der Franchisegeber sollte sich daher im Vorfeld genau über die bestehenden Vorgaben und Regelungen informieren um spätere Schwierigkeiten zu vermeiden.

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Quellenangaben:

1 Statistiken wurden der Statistikdatenbank www.statista.de entnommen

2 Angaben aus einer Umfrage der Deutschen Bank aus dem Jahr 2007

3 Zitiert aus einer Stellungnahme von Herrn Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise Verbandes

4 Statistiken veröffentlicht beim Institute for Scientific Publications

5 Nach einer Veröffentlichung bei INSM unter http://archiv.insm.de/Downloads/PDF_-_Dateien/Pflegemarkt_2050.pdf

6 Zitiert aus einer Stellungnahme von Herrn Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise Verbandes