Franchising schnell erklärt - Wichtige Fragen vor dem Start

Wichtige Fragen, die Sie sich vorab stellen sollten:

1) Kann ich mir dieses Franchisekonzept finanziell leisten?

Jeder Franchisegeber wird Ihnen vor Vertragsunterzeichnung die finanziellen Konditionen seines Systems vorstellen. Die Höhe der einzelnen Investitionssummen kann Ihnen dabei helfen, bestimmte Franchisekonzepte in die nähere Auswahl aufzunehmen bzw. andere auszuschließen. Entscheidend ist Ihre Fähigkeit, das benötigte Startkapital aufzutreiben. Sei es durch die Investition von Eigenkapital oder durch die Beantragung der entsprechenden Kredite.

2) Kann ich mich mit der Franchisemarke identifizieren?

Wenn Sie als Unternehmer erfolgreich sein wollen, müssen Sie Ihre Produkte und / oder Dienstleistungen souverän nach außen vertreten und verkaufen.
Dazu ist es wichtig, dass Sie sich mit der jeweiligen Marke identifizieren können. Im Idealfall empfinden Sie Ihre Tätigkeit als Franchisenehmer dann gar nicht als Arbeit.
Sie fühlen sich vielmehr als Teil einer starken Gemeinschaft. Dies ist eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit im Franchising.

3) Kann ich das jeweilige Franchisekonzept auch in Ihrer Region erfolgreich führen?

Ein auf der Behandlung mit Botox basierendes Kosmetikkonzept mag in Kalifornien ein durchschlagender Erfolg sein – aber lässt es sich beispielsweise auch in Berlin oder Frankfurt genauso umsetzen? Führen Sie vor ernsthaften Vertragsverhandlungen mit Franchisegebern eine sorgfältige Standortanalyse durch. Sehen Sie sich in der Nachbarschaft Ihres geplanten Standortes um und sprechen Sie mit Menschen auf der Straße, um festzustellen, ob es für die angebotenen Produkte überhaupt eine Nachfrage gibt.

Wenn Sie alle Franchisekonzepte, die für Sie interessant sind, konsequent auf diese drei Schlüsselfaktoren überprüfen, so wird sich die Anzahl der in Frage kommenden Konzepte sehr schnell reduzieren. Die übrigbleibenden Franchisekonzepte kommen anschließend in die engere Wahl. Überprüfen Sie nun diese übriggebliebenen Geschäftsmodelle noch etwas genauer, um sicherzugehen, dass Sie die richtige Entscheidung treffen.

4) Erhalten Sie Informationen zur langfristigen Entwicklung des Franchise-Unternehmens?

Ihre zukünftige Selbstständigkeit ist mit hohen finanziellen Risiken verbunden (z. B. in Form von Lizenz- oder Einstiegsgebühren). Daher sollten Sie so viele Informationen wie möglich über die Marktstellung des Unternehmens und das realistische Verdienstpotenzial einholen. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie Ihr Geld auch wirklich investieren und nicht verschwenden.

5) Wie schätzen Sie das Verdienstpotenzial ein?

Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie viel Sie als Partner eines bestimmten Franchisegebers verdienen können, versuchen Sie, Kontakt mit ein oder zwei bereits aktiven Franchisenehmer aufzunehmen. Sie können Ihnen am ehesten Auskunft darüber geben, wie lukrativ ein bestimmtes Franchisekonzept mittel- und langfristig ist.

6) Handelt es sich um eine bekannte Marke, die bereits am Markt etabliert ist?

Auch darauf sollten Sie vor einer endgültigen Kaufentscheidung achten. Je bekannter die Marke, desto mehr potenzielle Kunden sprechen Sie damit an. Wenn es sich noch um ein relativ junges Konzept handelt, fragen Sie beim Franchisegeber unbedingt was er unternimmt, um die Marke auf dem deutschen Markt zu etablieren.

7) Welche Schulungs- und Trainingsmaßnahmen werden Ihnen beim Start bzw. auch bei Ihrer späteren Selbstständigkeit angeboten?

Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg oder Misserfolg einer Franchise-Geschäftsgründung ist sicherlich die Qualität der angebotenen Trainingsmaßnahmen. Bereits bei den Startschulungen sollte Ihnen das nötige Wissen mitgegeben werden, um Ihre Tätigkeit als Franchisenehmer aufnehmen zu können. Ihr Franchisegeber sollte aber gleichzeitig Schulungen für Ihre Mitarbeiter anbieten bzw. in regelmäßigen Abständen Trainingsveranstaltungen abhalten – so wird sichergestellt, dass sie auch langfristig das nötige Rüstzeug für eine langfristige Tätigkeit haben.

8) Wie werden Sie in der täglichen Führung Ihres Geschäftes von Ihrem Franchisegeber unterstützt?

Alle Franchisegeber sind vertraglich dazu verpflichtet, Ihre Franchisenehmer kontinuierlich zu begleiten und in Ihrer täglichen Geschäftstätigkeit zu unterstützen. Fragen Sie bei Ihrem zukünftigen Franchisegeber unbedingt nach, wie die zukünftige Unterstützung aussehen wird und wie Sie Ihren Franchisegeber bei auftretenden Fragen am Besten erreichen können.

Wer gibt Ihnen die Antworten, die Sie brauchen, um die richtige Entscheidung treffen zu können?

Suchen Sie bereits vor Vertragsunterzeichnung unbedingt Kontakt zu bereits aktiven Franchisenehmern. Lassen Sie sich von Ihrem Franchisegeber eine Liste seiner aktiven Partner aushändigen und besuchen Sie so viele wie möglich persönlich. Auf diese Weise erhalten Sie viele Antworten auf vielleicht noch offene Fragen bezüglich des Franchisekonzeptes. Die Franchisenehmer sind in der Lage, Ihnen zu schildern, wie für sie die Startphase verlaufen ist und wie lange es gedauert hat, bis das neugegründete Unternehmen die ersten Gewinne abgeworfen hat. Und solange Sie nicht Ihr neues Geschäft direkt in der Nachbarschaft eröffnen möchten, haben die meisten Franchisenehmer kein Problem damit, Ihnen einen Blick „hinter die Kulissen“ der Franchise-Partnerschaft zu gewähren. Die Franchisenehmer (aber auch Ihr Franchisegeber) können Ihnen auch das notwendige Zahlenmaterial zur Verfügung stellen, dass Sie für die Erstellung Ihres Businessplanes benötigen.

Auch wenn Ihnen Ihr Franchisegeber wahrscheinlich eine Businessplan-Vorlage zur Verfügung stellt – entwerfen Sie trotzdem erst Ihren eigenen. Nur so können Sie sich einen Überblick über die Tragfähigkeit des Konzeptes verschaffen und etwaige Schwachstellen erkennen.

Holen Sie sich im Zweifel Rat bei Außenstehenden

Besonders bei Rechts- und Vertragsfragen empfiehlt sich professionelle Unterstützung. Ein professioneller Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Wirtschaftsrecht / Franchising kann Ihnen die Feinheiten des Franchise-Vertrages erläutern und Sie gegebenenfalls auf Klauseln hinweisen, die sich nachteilig auswirken könnten. Ein qualifizierter Buchhalter unterstützt Sie bei allen Kalkulationen und kann das Franchisekonzept auf seine wirtschaftliche Tragfähigkeit hin durchleuchten.