Einführung in das Franchising und Entwicklung des Franchise-Geschäftes

Einführung in das Franchising

Ein Franchise-System ist eine Partnerschaft selbständiger Unternehmer. Der Franchisegeber entwickelt, multipliziert, optimiert den erfolgserprobten Betriebstyp und führt fortlaufend Innovationen durch. Der selbständige Franchisenehmer übernimmt nach einer ausführlichen Anfangsschulung unter dem Namen / der Marke des Franchisegebers das auf den jeweiligen Betriebstyp bezogene Konzept und setzt es am lokalen Markt um.

Franchising wird auch oft als "partnership for profit" („Partnerschaft für wirtschaftlichen Erfolg“) beschrieben. Damit ist gemeint, dass selbständige Unternehmer „unter einem Dach“ zum gegenseitigen Nutzen zusammen arbeiten. Auf diese Weise können die Vorteile einer starken Marke und eines ausgefeilten Konzepts mit dem unternehmerischen Engagement vor Ort kombiniert werden.

Es gibt drei verschiedene Optionen, sich im Bereich Franchising selbständig zu machen:

  • als Franchisegeber
  • als Franchisenehmer
  • als Masterfranchisenehmer.

Entwicklung des Franchising

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Franchise“, das dem Französischen stammt, sagt für seine heutige Bedeutung kaum etwas aus. In Frankreich verstand und versteht man unter „Franchisen“ noch heute in erster Linie die Befreiung von Zöllen und Steuern. Im weiteren Verlauf wurde das Wort sowohl in Frankreich als auch in Großbritannien und später in den USA in einer Erweiterung seiner Bedeutung als Einräumung eines Privilegs verstanden, das Könige bzw. der Staat an zuverlässige Persönlichkeiten vergaben, denen damit ein monopolartiges Recht erteilt wurde, gegen Entgelt eine im staatlichen Interesse liegende Produktion oder der Handel mit gewissen Erzeugnissen zu betreiben.

In der späteren Bedeutung des Wortes handelt es sich dann im angelsächsischen Bereich um die Bewilligung einer Erlaubnis, in kommerzieller Weise die Rechte zu benutzen, die einem anderen zustehen. Auch in Frankreich hat das Wort Franchise neben seiner ursprünglichen Bedeutung den kommerziellen Charakter eines Nutzungs- und Vertriebsrechts erhalten.

Franchising, so wie wir es heute kennen, entstand mit dem Singer Sewing Centre, das 1858 von Isaac Singer gegründet wurde. Nachdem er die Nähmaschine erfunden hatte, wurde Singer, als er diese auf den Markt brachte, mit zwei Problemen konfrontiert. Das erste Problem bestand darin, dass die Kunden mit der neuen Erfindung vertraut gemacht werden mussten, bevor sie diese überhaupt kauften. Das zweite Problem war, dass Singer nicht genügend Kapital besaß, um seine Maschine in großen Stückzahlen zu produzieren. Er kam dann auf die Idee, die Rechte an ortsansässige Geschäftsleute zu verkaufen, damit diese die Nähmaschinen vertreiben und die Käufer mit der Bedienung der Maschine vertraut machten konnten.

Nachdem er diesen Weg eingeschlagen hatte, expandierte sein Unternehmen unaufhaltsam. Die Gebühren, die er für die Lizenzrechte verlangte, halfen ihm, seine Produktionskosten zu finanzieren. Außerdem war es Singer möglich – weil jedes Franchise selbst finanziert war – die Unternehmenseigenschaften seiner Lizenznehmer mitzubestimmen.

Dieses Franchise-Modell wurde in verschiedenen Industriezweigen kopiert. So war es Coca Cola möglich, in den gesamten Vereinigten Staaten zu expandieren, indem Coca Cola die Belastung, die durch Produktion, Lagerung und Distribution der Produkte entstand, den lokalen Geschäftsleuten übertrug, die die Abfüllungsrechte erworben hatten. Autohersteller, die durch die Ausrüstung ihrer Montagebände enorme Geldsummen verschwendeten, fanden heraus, dass sie im Handel Distributionsnetzwerke entwickeln konnten, indem sie das Kapital von unabhängigen Händlern benutzen. Ölfirmen, wie zum Beispiel Standard Oil und Texaco, erteilten in den USA Lizenzen an Convenience Stores und Autoschlosser-Werkstätten. In den 50er Jahren erkannte Ray Kroc das Franchising-Potential eines erfolgreichen Hamburgerstandes. Man verglich ihn mit Herny Ford, da Kroc das Fließband in der Fast Food Industrie einführte. Ob Coffee-and-Sandwich-Bars, Hähnchen-, Pizza- oder Taco-Stände - viele Absatzmärkte in der Nahrungsmittelindustrie sind mittlerweile lizenziert.

Im Jahre 1954 erwarb der Handelsvertreter Ray Kroc die Lizenz zur Vermarktung eines Restaurants in San Bernardino im Westen der USA. Am 2. März 1955 gründete er eine eigene Firma. Der Eintrag im Handelsregister lautete: McDonald's System, Inc.Aus dem Restaurant in einem verschlafenen Provinznest ist eine weltumspannende Kette mit über 30.000 Betrieben geworden – davon sind drei Viertel Fanchise-Betriebe.

Gegenwärtig gibt es in Deutschland über 800 Franchisekonzepte; ca. 75% aller Franchisegeber sind im DFV (Deutscher Franchise Verband) organisiert. Dieser versucht mit strengen Aufnahmekriterien und einem umfangreichen Ethikkodex, die seriösen von den unseriösen Anbietern zu trennen.

Nicht einmal Experten können genau sagen, wie viele Franchise-Systeme es mittlerweile weltweit gibt. Sicher ist, dass die Anzahl der Franchisegeber wächst. Franchising ist überall auf der Welt in allen Branchen auf dem Vormarsch. Der amerikanische Trendforscher John Naisbitt sagt voraus: „Im Jahr 2010 wird Franchising weltweit die erfolgreichste Vertriebsform sein.“