Denn bevor eine langfristige Entscheidung getroffen wird, geht es nicht nur darum, ob eine Geschäftsidee interessant klingt. Entscheidend ist, ob das Geschäftsmodell auch unter den eigenen Voraussetzungen nachvollziehbar und wirtschaftlich planbar erscheint.
Ein guter Franchise-Check folgt dabei einer einfachen Logik: Welche Aussage wird gemacht? Welche Zahl steht dahinter? Welche Annahmen wurden getroffen? Und wie gut lassen sich diese auf die eigene Situation übertragen?
Warum ein Franchise-Angebot genau geprüft werden sollte
Franchising bietet Gründern den Vorteil, auf ein bereits entwickeltes Geschäftsmodell, etablierte Prozesse und die Unterstützung eines Franchisegebers zurückgreifen zu können. Gleichzeitig bleibt der Franchisenehmer Unternehmer und trägt Verantwortung für den eigenen Betrieb.
Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein aufgrund eines überzeugenden Konzepts oder eines guten persönlichen Eindrucks fallen. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen nachvollziehbar sein.
Auf Franchise Direkt finden sich bereits ausführliche Informationen zu Finanzierung, Franchisegebühren und Vertragsfragen. Der entscheidende nächste Schritt besteht darin, die einzelnen Informationen miteinander zu verbinden und das konkrete Angebot als Ganzes zu betrachten.
Dabei können drei Fragen helfen:
- Welche Kosten entstehen tatsächlich?
- Welche Umsätze und Ergebnisse werden angenommen?
- Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit diese Planung realistisch wird?
Je konkreter die Antworten ausfallen, desto besser lässt sich das Angebot beurteilen.
Welche Unterlagen und Informationen sollten Gründer kennen?
Vor einer Entscheidung sollten Interessenten möglichst ein klares Bild davon haben, wie das Franchise-Modell funktioniert und welche wirtschaftlichen Verpflichtungen damit verbunden sind.
Dazu können – je nach System – unter anderem folgende Informationen gehören:
- Beschreibung des Geschäftsmodells
- Investitionsübersicht
- Informationen zu den laufenden betrieblichen Anforderungen
Dabei gilt: Nicht jede Information muss in jedem Franchise-System gleich aussehen. Entscheidend ist, dass der Gründer versteht, was er erhält, welche Kosten damit verbunden sind und welche eigenen Leistungen erwartet werden.
Gerade bei Kosten lohnt sich ein genauer Blick. Eine einmalige Eintrittsgebühr ist beispielsweise etwas anderes als eine laufende Lizenzgebühr. Auch Marketinggebühren oder weitere laufende Zahlungen sollten nicht nur ihrer Höhe nach betrachtet werden, sondern im Zusammenhang mit den dafür vorgesehenen Leistungen.
Nicht nur auf den Umsatz schauen
Umsatzzahlen wirken auf den ersten Blick besonders attraktiv. Für die Beurteilung eines Franchise-Angebots sind sie allein jedoch wenig aussagekräftig.
Ein Beispiel: Ein Betrieb erzielt einen hohen Jahresumsatz. Daraus lässt sich noch nicht ableiten, wie viel Geld am Ende tatsächlich für den Unternehmer übrig bleibt. Dem Umsatz stehen unter anderem Personalkosten, Waren- oder Materialkosten, Miete, laufende Gebühren, Versicherungen, Energie und weitere Betriebskosten gegenüber.
Deshalb sollten Gründer immer zwischen Umsatz, Kosten und Ergebnis unterscheiden.
Interessant ist nicht nur die Frage:
Wie viel Umsatz kann ein Standort erzielen?Sondern auch:
- Welche Kosten fallen bei diesem Umsatz an?
- Welche laufenden Gebühren werden abgezogen?
- Wie entwickelt sich das Ergebnis während der Anlaufphase?
- Welche privaten finanziellen Verpflichtungen müssen zusätzlich berücksichtigt werden?
Die Finanzierung ist bereits ein wichtiger Bestandteil der Gründungsplanung. Entscheidend ist aber auch, ob die wirtschaftliche Planung nach der Eröffnung dauerhaft tragfähig sein kann. Franchise Direkt weist beispielsweise darauf hin, dass neben den Gründungskosten auch Betriebsmittel und die Kosten der privaten Lebensführung berücksichtigt werden sollten.
Welche Annahmen stecken hinter den Zahlen?
Eine Zahl ist erst dann wirklich hilfreich, wenn klar ist, wie sie zustande kommt.
Nehmen wir an, für einen neuen Betrieb wird ein bestimmter Jahresumsatz kalkuliert. Dann sollte der Gründer nicht nur diese Zahl betrachten. Er sollte fragen, welche Voraussetzungen dahinterstehen.
Zum Beispiel:
- Welcher durchschnittliche Umsatz pro Kunde wird angenommen?
- Welche Preise liegen der Berechnung zugrunde?
- Wie viele Mitarbeiter werden benötigt?
- Welche Miet- oder Standortkosten wurden berücksichtigt?
So wird aus einer scheinbar konkreten Umsatzprognose eine nachvollziehbare Planung.
Besonders hilfreich kann es sein, einzelne Annahmen selbst durchzurechnen. Wenn beispielsweise eine bestimmte Kundenzahl notwendig ist, um den geplanten Umsatz zu erreichen, stellt sich die Frage, ob diese Kundenzahl unter den tatsächlichen Bedingungen des eigenen Betriebs realistisch erscheint.
Der Grundsatz lautet:
Nicht nur die Zahl prüfen – sondern die Geschichte hinter der Zahl.
Durchschnittswerte richtig einordnen
Franchise-Systeme verfügen teilweise über Erfahrungswerte aus bestehenden Betrieben. Solche Daten können für einen Gründer wertvoll sein. Sie sollten jedoch nicht automatisch als Prognose für den eigenen zukünftigen Betrieb verstanden werden.
Ein Durchschnittswert kann beispielsweise Betriebe mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zusammenfassen.
Eine Rolle spielen unter anderem:
- Region und lokale Nachfrage
- Größe des Betriebs
- Betriebsdauer
- besondere regionale Bedingungen
Ein etablierter Betrieb mit einem großen Kundenstamm ist nicht ohne Weiteres mit einem neu eröffneten Standort vergleichbar.
Deshalb lohnt sich eine zusätzliche Frage:
Wie ähnlich sind die Betriebe, deren Zahlen ich gerade betrachte, meinem geplanten Unternehmen?
Je größer die Unterschiede sind, desto vorsichtiger sollten Durchschnittswerte interpretiert werden.
Welche Fragen sollten Sie dem Franchisegeber stellen?
Franchise Direkt stellt bereits eine umfangreiche Checkliste mit Fragen zur Bewertung eines Franchisegebers zur Verfügung. Für den hier beschriebenen Franchise-Check geht es um einen etwas anderen Ansatz: Nicht nur fragen, was der Franchisegeber angibt, sondern auch verstehen, worauf diese Angaben beruhen.
Hilfreiche Fragen können beispielsweise sein:
- Wie viele Standorte sind aktuell aktiv?
- Wie viele Betriebe wurden geschlossen oder von anderen Partnern übernommen?
- Welche Leistungen sind in den laufenden Gebühren enthalten?
Auch hier geht es nicht darum, aus einzelnen Antworten vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Vielmehr sollten die Antworten ein möglichst vollständiges Bild ergeben.
Je konkreter eine wirtschaftliche Aussage ist, desto sinnvoller ist es, nach ihrer Grundlage zu fragen.
Wann sollten Gründer genauer nachfragen?
Nicht jede Unklarheit ist automatisch ein schlechtes Zeichen. Gerade bei komplexen Geschäftsmodellen können Fragen entstehen, die im ersten Gespräch nicht vollständig beantwortet werden.
Es gibt jedoch Situationen, bei denen Gründer genauer hinschauen sollten.
Dazu gehören beispielsweise:
- widersprüchliche Angaben zu Kosten
- sehr optimistische Umsatzannahmen ohne erkennbare Grundlage
- starker Fokus auf Umsatz statt auf Kosten und Ergebnis
Ein einzelnes Warnsignal bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Franchise-System ungeeignet oder unseriös ist. Es sollte vielmehr ein Anlass sein, weiter nachzufragen und offene Punkte zu klären.
Gerade bei einer langfristigen unternehmerischen Entscheidung ist es sinnvoller, eine zusätzliche Frage zu stellen als eine wichtige Annahme ungeprüft zu übernehmen.
Der eigene Realitätscheck
Die Prüfung des Franchise-Angebots ist nur die eine Seite. Anschließend müssen die Zahlen zur eigenen Situation passen.
Ein Franchise-Modell kann wirtschaftlich interessant sein und trotzdem nicht zu den persönlichen Voraussetzungen eines bestimmten Gründers passen.
Deshalb sollten Sie sich selbst einige Fragen stellen:
- Wie viel Zeit kann und möchte ich in den Betrieb investieren?
- Welche Aufgaben werde ich selbst übernehmen?
- Was passiert, wenn sich der erwartete Umsatz langsamer entwickelt?
Besonders die letzte Frage ist wichtig. Eine Beispielrechnung beschreibt einen möglichen Verlauf. Ihre eigene Planung muss dagegen die tatsächlichen Bedingungen Ihres Vorhabens berücksichtigen.
Ein gutes Franchise-Konzept kann dabei Unterstützung bieten. Es ersetzt jedoch nicht die eigene unternehmerische Prüfung.
Franchise-Check: Die wichtigsten Punkte vor der Entscheidung
Bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen, sollten die wichtigsten Informationen nicht nur vorliegen, sondern auch verständlich sein.
Vor der Entscheidung sollte ich wissen:
- Welche einmaligen Kosten entstehen?
- Welche laufenden Kosten entstehen?
- Wie setzen sich die laufenden Gebühren zusammen?
- Welche Leistungen erhalte ich dafür?
Ein zusätzlicher Schritt kann darin bestehen, die wichtigsten Informationen selbst in einer einfachen Übersicht gegenüberzustellen. So werden Unterschiede zwischen mehreren Franchise-Angeboten leichter sichtbar.
Dabei sollte nicht allein das günstigste Angebot gewinnen. Entscheidend ist vielmehr, welches Modell in seiner Gesamtheit nachvollziehbar ist und zu den eigenen unternehmerischen Voraussetzungen passt.