Wer im September 2026 über eine Franchise-Gründung nachdenkt, blickt auf ein ungewöhnliches wirtschaftliches Umfeld.
Nach zwei Jahren mit sehr schwacher Entwicklung ist die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs. Das Statistische Bundesamt meldete für das zweite Quartal 2026 ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 % gegenüber dem Vorquartal und 1,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig wuchsen die privaten Konsumausgaben gegenüber dem Vorjahresquartal nur um 0,1 %.
Das Bild ist deshalb differenziert: Die Rezession ist vorbei, aber die Erholung ist noch kein breiter Konsumboom. Für Menschen, die sich selbstständig machen möchten, ist genau diese Situation interessant. Denn nicht jedes Geschäftsmodell reagiert gleich auf die Konjunktur.
Deutschland 2026: Die Wirtschaft wächst wieder – der Konsument bleibt vorsichtig
Die aktuellen Zahlen zeigen einen wichtigen Unterschied zwischen gesamtwirtschaftlicher Entwicklung und Konsum.
Das deutsche BIP ist im zweiten Quartal 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Besonders die Exporte entwickelten sich positiv: Sie lagen preisbereinigt 3,7 % über dem Vorjahresquartal. Die Warenexporte stiegen sogar um 5,0 %.
Auf der anderen Seite entwickelten sich die privaten Konsumausgaben deutlich schwächer. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 betrug der Zuwachs lediglich 0,1 %. Auch die Bauinvestitionen lagen 1,5 % unter dem Vorjahresniveau.
Das bedeutet für Gründer:
Ein Franchise-Modell sollte nicht ausschließlich darauf angewiesen sein, dass Verbraucher spontan mehr Geld ausgeben. Interessanter können Geschäftsmodelle sein, die einen konkreten und wiederkehrenden Bedarf erfüllen. Das kann beispielsweise eine Dienstleistung sein, die Zeit spart, eine Lösung für Unternehmen, ein Angebot im Gesundheitsbereich oder eine Leistung, die Kunden regelmäßig benötigen.
Die Prognose für 2026 ist besser – aber mit einem großen „Aber“
Noch interessanter wird der Blick auf die aktuelle Herbstprognose des ifo Instituts vom 3. September 2026. Das ifo Institut erwartet für Deutschland für das Gesamtjahr 2026 ein reales BIP-Wachstum von 1,4 %. Für 2027 werden weitere 1,2 % Wachstum erwartet. Damit hat das Institut seine Prognose gegenüber dem Sommer deutlich angehoben: um 0,6 Prozentpunkte für 2026 und um 0,4 Prozentpunkte für 2027.
Allerdings erwartet das ifo Institut gleichzeitig für 2026 eine Inflationsrate von 2,8 % und für 2027 von 3,0 %. Die Arbeitslosenquote soll 2026 bei 6,3 % liegen.
Hinzu kommen weiterhin geopolitische Risiken und höhere Energiepreise.
Für Gründer ergibt sich daraus ein wichtiges Bild:
Die Wirtschaft verbessert sich, aber Kosten- und Nachfrage-Risiken bleiben relevant.
Ein gutes Franchise-Konzept muss deshalb nicht unbedingt in einer vermeintlichen „Boombranche“ liegen. Interessanter ist, ob das Geschäftsmodell einen stabilen Bedarf adressiert und seine Kostenstruktur kontrollieren kann. Drei Entwicklungen, die Franchisenehmer 2026 besonders beachten solltenAus den aktuellen Daten lassen sich drei Entwicklungen ableiten, die für die Auswahl eines Franchise-Systems besonders relevant sind.
1. Der Konsum kommt zurück – aber selektiv
Der private Konsum wächst nur langsam. Gleichzeitig verbessern sich Einkommen und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das spricht weniger für die These „Die Menschen kaufen nichts mehr“ als für eine andere Entwicklung: Kunden wägen Ausgaben genauer ab.
Für Franchise-Gründer bedeutet das, dass der wahrgenommene Nutzen eines Angebots besonders wichtig wird. Ein Geschäftsmodell muss eine klare Antwort auf die Frage geben:
Warum soll ein Kunde dafür jetzt Geld ausgeben?Zeitersparnis, Bequemlichkeit, Gesundheit, Bildung, Betreuung, professionelle Dienstleistungen oder ein konkretes Problem im Alltag können dabei stärker ins Gewicht fallen als ein reiner „Nice-to-have“-Faktor.
2. Personal wird zum strategischen Faktor
Ein zweiter Punkt wird häufig unterschätzt: Ein Unternehmen braucht nicht nur Kunden, sondern auch Mitarbeiter. Und genau hier verändert sich der deutsche Markt strukturell.
Die ifo-Prognose rechnet für 2026 mit rund 45,69 Millionen Erwerbstätigen und für 2027 mit 45,76 Millionen. Gleichzeitig wird für 2026 eine Arbeitslosenzahl von knapp 3 Millionen prognostiziert. Für Franchise-Gründer bedeutet das:
Ein Geschäftsmodell sollte nicht nur Umsatzpotenzial haben – es muss auch personell umsetzbar sein. Das macht beispielsweise Konzepte interessant, die
- mit kleinen Teams funktionieren,
- standardisierte Prozesse besitzen,
- Mitarbeiter effizient einsetzen,
- digitale Unterstützung nutzen oder
- dem Franchisenehmer klare Schulungs- und Recruitingstrukturen bieten.
Das ist einer der Punkte, die angehende Franchisenehmer bei der Auswahl eines Systems genauer untersuchen sollten.
3. Dienstleistungen können strukturelle Nachfrage bedienenEin besonders interessanter Bereich für Franchise-Gründer sind Dienstleistungen.
Warum?
Weil viele Dienstleistungen nicht ausschließlich vom klassischen Konsumzyklus abhängen.
Unternehmen benötigen beispielsweise Unterstützung bei bestimmten Geschäftsprozessen. Haushalte benötigen Reinigung, Betreuung, Reparaturen oder andere Services. Ältere Menschen benötigen Unterstützung. Immobilien benötigen Verwaltung und Vermittlung. Unternehmen müssen digitaler und effizienter werden. Das bedeutet nicht, dass jede Dienstleistungs-Franchise automatisch erfolgreich ist. Aber es zeigt, warum serviceorientierte Geschäftsmodelle bei der Suche nach einer Franchise-Idee genauer betrachtet werden sollten.
Nach Angaben des Deutschen Franchiseverbands gab es 2025 in Deutschland rund 193.920 Franchisebetriebe. Die Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,0 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Franchiseunternehmer auf 148.577, ein Plus von 0,9 %.
Das ist bemerkenswert, weil die Zahl der Unternehmer insgesamt im gleichen Zeitraum rückläufig war. Die Franchisewirtschaft entwickelte sich damit gegen den allgemeinen Trend. Für jemanden, der über eine Gründung nachdenkt, ist das relevant.
Franchise ist längst nicht mehr nur mit bekannten Restaurantketten oder Einzelhandelsmarken verbunden. Die Systeme reichen heute von Immobilien und Fitness über Bildung und Dienstleistungen bis zu B2B-Angeboten. Die Auswahl ist damit größer, aber gleichzeitig wird die Auswahl des richtigen Systems wichtiger.
Ein weiterer Trend: Immer mehr Menschen gründen zunächst nebenberuflichEine der interessantesten Entwicklungen für zukünftige Franchisenehmer kommt aus dem aktuellen KfW-Gründungsmonitor. 2025 gab es in Deutschland rund 690.000 Gründerinnen und Gründer. Im Jahr zuvor waren es 585.000. Die Gründungsintensität stieg damit von 115 auf 136 Existenzgründungen je 10.000 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Besonders auffällig: Der Anteil der Gründungen im Nebenerwerb erreichte 70 % – einen neuen Höchststand.
Das verändert die Perspektive auf Selbstständigkeit. Die Entscheidung muss nicht für jeden Gründer bedeuten: Angestellt heute – Unternehmer morgen.Für manche kann der Übergang schrittweise erfolgen. Der KfW zufolge hat sich der Trend zu Nebenerwerbsgründungen über die vergangenen Jahre verfestigt. Gleichzeitig wird die Gründerlandschaft jünger: 2025 waren 40 % der Gründer unter 30 Jahre alt; das Durchschnittsalter lag bei 34,2 Jahren.
Für Franchisegeber bedeutet das eine interessante Zielgruppe: Menschen, die Unternehmertum ausprobieren möchten, aber das Risiko eines abrupten vollständigen Wechsels reduzieren wollen. Ob ein konkretes Franchise-Modell dafür geeignet ist, hängt allerdings stark vom jeweiligen System ab. Nicht jedes Konzept lässt sich sinnvoll nebenberuflich betreiben.