Franchising in Europa – Trends und Entwicklungen

Die Franchise-Industrie in der Europäischen Union verfügt über ein außerordentliches Wachstumspotenzial. Mit mehr als 500 Millionen Konsumenten in 28 Nationen stehen viele internationale Franchisegeber, besonders in den Vereinigten Staaten, bereits in den Startlöchern, um nach Europa zu epandieren.

Es ist ganz natürlich, dass man zu allererst an amerikanische Marken denkt, wenn der Begriff Franchising zur Sprache kommt – aus gutem Grund. Immerhin stehen bekannte Marken wie Burger King und McDonalds nach wie vor an der Spitze der Franchisebranche.  Wirft man aber einmal einen Blick auf die Top500 Franchise-Unternehmen in Europa, so wird schnell klar, dass die amerikanischen Marken zwar nach wie vor einen hohen Bekanntheitsgrad haben – aber viele Marken, die Ihren Ursprung in Europa haben, mittlerweile auch über eine große Reichweite auf dem Kontinent und darüber hinaus verfügen.

Unter den erfolgreichsten europäischen Franchisekonzepten finden sich:

* Spar, eine im Franchising aktive Lebensmittelkette, die 1932 in den Niederlanden gegründet wurde. Bis heute gibt es über 12.300 Franchise-Niederlassungen.

* Bata, ein Einzelhandelsunternehmen aus der tschechischen Republik, das sich auf den Handel mit hochwertiger Schuhmode spezialisiert hat. Seit der Gründung im Jahr 1939 expandierte das Unternehmen auf 1200 Niederlassungen.

* Benetton, eine bekannte Modemarke, die italienische Mode für Männer, Frauen und Kinder anbietet. Heute umfaßt das Netzwerk über 6000 Standorte weltweit.

* Etam, eine Luxusmarke im Segment Mode und Lingerie. Die erste Franchise-Filiale eröffnete 1925. Bis heute gibt es insgesamt 4.200 Niederlassungen.

Europäische Franchiseunternehmen konzentrieren ihre Expansionspläne verständlicherweise anfangs immer zuerst auf Länder in unmittelbarer Nähe. Großbritannien und die skandinavischen Länder blicken auf langjährige Wirtschaftsbeziehungen zurück. Da ist es ganz natürlich, dass auch Franchise-Unternehmen sozusagen „exportiert“ werden und sich in den jeweiligen Ländern niederlassen. Die meisten anderen Franchise-Unternehmen, die in Europa aktiv sind stammen, wenn sie nicht ursprünglich in den USA gegründet wurden, aus Kanada oder Australien.

Auch wenn viele große Franchise-Konzepte in der Lebensmittel-Industrie angesiedelt sind, so nimmt die Vielfalt der Branche doch genauso stetig zu wie die Nachfrage der Konsumenten. Viele Franchisegeber bedienen unter Anderem die Nachfrage in den Bereichen Haushaltshilfe, Fahrzeugreparatur, Kurzzeitvermietung, Einzelhandel, Fort- und Weiterbildung, Touristik, Reinigung und Reparatur, Konstruktion und vielen weiteren Bereichen.

Sowohl europäische als auch internationale Franchisegeber, die neue Niederlassungen in der EU gründen möchten, nutzen dazu meistens folgende Möglichkeiten:

  • Direktes Franchising
  • Expansion durch eine Tochterfirma oder einen Firmenzusammenschluß
  • Ausdehnung des Netzwerkes über Master-Franchisenehmer oder Gebietsentwickler

Beim Kauf einer Master-Franchiselizenz erwirbt der neue Partner das Recht, innerhalb eines festgelegten Territoriums (z. B. innerhalb eines bestimmten Landes) Einzel-Franchiselizenzen zu verkaufen. Im Grunde wird der Master-Franchisenehmer damit zum Franchisegeber für das Land in dem er die Franchise-Lizenzen verkauft. Ein Gebietsentwickler dagegen betreibt selbst Franchise-Niederlassungen anstatt neue Lizenzen zu verkaufen. Dazu benötigt er nicht nur ausreichend finanzielle Mittel sondern auch die entsprechende Markterfahrung.

Eine neuere Methode, die jedoch immer beliebter zu werden scheint ist die internationale Expansion mit “Testperioden” von 1 bis 2 Jahren zu sein. Während dieser Zeit arbeitet der Franchisenehmer sozusagen als Gebietsentwickler – und muss eine gewisse Anzahl an neuen Franchise-Niederlassungen eröffnen bevor er eine Masterfranchise-Lizenz erhält.