Österreichischer Franchise Verband
 

Business Talk der Franchisewirtschaft zu „Finanzierung, Förderung & Co“

Der Österreichische Franchise-Verband (ÖFV) launchte im Mai einen neuen Event-Piloten, die „Franchise Arena“. Die Idee ist, zweimal jährlich durchaus kontroverse Meinungen zu einem brisanten Thema der Franchisebranche auszutauschen. Gestartet wurde mit dem Thema „Finanzierung, Förderung & Co“.
Der Business-Talk, moderiert von Dr. Amelie Pohl, ihres Zeichens Rechtsanwältin von Zumtobel Kronberger und Vorstandsmitglied des ÖFV, thematisierte den oft mühevollen Weg zur Finanzierung von Franchisenehmern und jungen Franchisegebern und die Suche nach neuen Alternativen zum klassischen Bankgespräch.

Nur inneres „Feuer“ führt zu Geld

Es sei vorweg genommen: nur wer vor dem Geldgeber „performt“ hat eine Chance. Es liegt, so waren sich alle Diskutanten einig, vor allem an der guten Vorbereitung des Erstgespräches mit der Bank oder anderen Geldgebern. Einer der wesentlichsten Punkte dabei: die Vermittlung des eigenen „Feuers“, der Begeisterung für die Unternehmensidee und einhergehende Produkte und Dienstleistungen. Denn auch Bankbeamte entscheiden durchaus „aus dem Bauch heraus“, so Prok. Michael Graf, MBA von der RLB NÖ-Wien.

Begleitet sollte der professionelle, persönliche Auftritt durch einen gut durchdachten Businessplan werden, dessen Mengengerüste der Geldwerber auch erklären kann, plädierte Mag. Kurt Leutgeb vom AWS. Ein Franchisenehmer ist für ihn im Prinzip wie jedes andere Start-up – wenn der Förderwerber überzeugt, fließt Geld. Auch dann, wenn es schon ähnliche Angebote im Bezirk oder in der Region gibt: “Wenn er oder sie besseres Marketing betreibt oder andere gute Vertriebsideen hat, können sie sehr erfolgreich sein, auch neben einem starken Mitbewerb“, so Leutgeb. „Abgesehen davon hat ein Franchisenehmer durchaus auch einen Vorteil, wenn das System des Gebers bekannt ist und der Gebern dementsprechende Zahlen von anderen Nehmern vorlegen kann“.
Ähnlich sieht das Graf von der RLB: „Für die Bank kann es ein Vorteil sein, wenn ein bekanntes Franchisesystem hinter dem neuen Franchisenehmer steht und wenn bereits der System-Check des ÖFV durchgeführt wurde (Anm.: eine Qualitätsüberprüfung des Systems, die über den ÖFV läuft, durchgeführt wird diese vom Internationalen Centrum für Franchising und Cooperation (F&C) der Uni Münster als neutrale Stelle).

Crowdinvesting als Finanzierungsalternative

Neue, alternative Finanzierungsmodelle forderte Norbert Steinwidder, Geschäftsführer von Das Futterhaus - Österreich und ebenfalls ÖFV Vorstandsmitglied. Das Futterhaus startete mit einem neuen Franchise-Standort als Pilotprojekt auf der Crowdinvesting-Plattform CONDA, welche damit erstmals das Thema Franchising und den Aufbau eines Handelsunternehmens in der Region fördert. Neben dem überzeugenden Auftritt des Geldwerbers und den eigenen Bewertungskriterien testet die Crowdinvesting-Plattform zusätzlich das Interesse der Bevölkerung an dem Angebot. „Will ich dieses Unternehmen in der Region unterstützen, brauche ich das Angebot?“, erklärte DI Mag. Paul Pöltner, Geschäftsführer der CONDA GmbH.

„Alternative Modelle“, so der Finanzierungsexperte Mag. Gerfried Karner „können durchaus zu anderen Ergebnissen führen als das klassische Finanzierungsgespräch in einer regionalen Bank.“ Karner ortete, so wie Steinwidder, oft mangelndes Wissen und Interesse am Thema Franchising bzw. an bestimmten Branchen, die womöglich „nicht in das gewünschte Portfolio der Bank passen“. Daher sei es sinnvoll, vorher zu überprüfen, welche Bank welche Strategien verfolge. Als wesentlichen Punkt nannte Karner auch die Überprüfung der eigenen „Finanz-Legende“, d.h. ob KSV oder andere Gläubigerschutzverbände Zahlungsversäumnisse auflisten, die längst getilgt wurden. Dies könne die Bankentscheidung ebenso beeinflussen, wie die gute Vorbereitung durch den eigenen Unternehmens- bzw. Steuerberater.
In einem Punkt waren sich alle Diskutanten einig: Finanzierungen werden (durch Basel II und Basel III) nicht einfacher. Und: man müsse den Gesprächspartner sofort „zu 100% ins Boot holen – sonst habe man wenig Chancen“ am Geldmarkt.

10 Tipps des ÖFV für den Weg zum Geld:

  1. Als Franchisegeber: Mitgliedschaft in der Qualitätsgemeinschaft ÖFV und Durchführung des ÖFV System-Checks
  2. Als Franchisenehmer: auf seriöse Systeme setzen (Gespräch mit dem Verband, System-Check Siegel, Franchise-Handbuch nachfragen, Vertrag von einem RA prüfen lassen)
  3. Bankgespräch sehr gut vorbereiten
  4. Check durch Unternehmens- und Steuerberater
  5. Eigene „Finanz-Legende“ überprüfen
  6. Business-Plan erstellen (Schätzungen müssen leicht nachvollziehbar erklärt werden können)
  7. Lebenslauf vorlegen (es zählen Erfahrung und Werdegang)
  8. Bankencheck: hat diese Bank Interesse an Franchising, an der Branche?
  9. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen, z.B. Crowdinvesting
  10. Als Franchisegeber: dem Franchisenehmer eine Bankmappe zur Verfügung stellen und auf Wunsch zum Bankgespräch begleiten