„Entscheidend sind ein gutes Konzept und die persönliche Note.“

CUP&CINO-Verkaufsleiter Christoph Felderhoff über das Konsumverhalten von Coffee-House-Gästen, den idealen Franchise-Partner, einen optimalen Geschäftsaufbau und den wettbewerbsrelevanten „Mehrwert“.

Herr Felderhoff, Coffee-Houses gibt es inzwischen an jeder Ecke. Können Sie Existenzgründern ruhigen Gewissens zur Eröffnung eines Coffee-Houses raten? 

Christoph Felderhoff: Auf jeden Fall - vorausgesetzt, die Startbedingungen stimmen. Neben dem richtigen Standort (Sichtbarkeit, Frequenz, Grundriss, Außenfläche etc.) ist eine wirtschaftlich realistische  Größenordnung von existentieller Bedeutung...

Das heißt konkret?

Christoph Felderhoff: Als Faustformel gilt: Miete und Mietnebenkosten sollten max. 15% vom Umsatz ausmachen.

Welche Faktoren spielen außerdem eine wesentliche Rolle beim Geschäftsaufbau?

Christoph Felderhoff: Ganz wichtig sind eine realistische langfristige Umsatz- und Kostenplanung sowie eine vernünftige Ausschreibung, um die Investitionskosten zu optimieren. Was leider häufig gerade von Existenzgründern leicht vergessen wird: Immer an Folgekosten denken wie, Reparaturen, Energiekosten, städtische Gebühren etc. etc. Sonst droht leicht ein böses Erwachen. Last but not least ist das beste Konzept nur dann nachhaltig umsetzbar, wenn eine hohe Eigenkapitalquote vorhanden ist in Verbindung mit  einer soliden Finanzierung. 

Mit erstklassigen Kaffee-Spezialitäten werben alle Systemgeber. Wie kann ich mich als Coffee-House-Betreiber vom Mitbewerber abgrenzen und Kunden langfristig binden?


Christoph Felderhoff: Es ist richtig, dass die angebotenen Kaffee-Spezialitäten aus Sicht des Konsumenten/Gastes austauschbar sind.  Gerade in der jetzigen Zeit ist es deshalb umso wichtiger, den Kunden einen „nachhaltigen Mehrwert“ zu bieten und damit meine ich nicht die „Geiz ist geil“-Mentalität.

Sondern?

Christoph Felderhoff: Der Konsument muss das Gefühl haben, sich etwas Besonderes zu gönnen. Die Atmosphäre, geprägt durch Bestuhlung, Musik und Licht, wird sofort wahrgenommen, ist aber ebenfalls austauschbar. Ein durchdachtes Konzept und „Personal Touch of Service“ durch die richtigen Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg.

Das bedeutet in der Praxis?

Christoph Felderhoff: Der Betreiber vor Ort muss sich überlegen: Was ist meine persönliche Note? Wie baue ich nachhaltig die Brücke zu meinem Gast? Dies ist definitiv eine sehr große Herausforderung.
 
Wie sehen Sie die weitere Marktentwicklung? 

Christoph Felderhoff: Die Bundesrepublik ist weltweit der drittgrößte Kaffeemarkt. Kaffee ist hierzulande nach wie vor das meist konsumierte Getränk. Etwa 15% davon werden weder zuhause noch am Arbeitsplatz konsumiert, sondern unterwegs in einem Coffee House oder als To Go-Variante. Das sollte Branche und Existenzgründer optimistisch stimmen.

Worauf führen Sie den steigenden Verbrauch zurück?

Christoph Felderhoff:
Auf die gestiegene Genuss- und Produktvielfalt. Mit dem zertifizierten, nachhaltig angebauten bzw. fair gehandelten Kaffee ist die Nachfrage der Konsumenten weiterhin gewachsen. Dies zeigt sehr deutlich die vorhandenen Potenziale auf.
 
Seit März zeichnen Sie für Entwicklung und Ausbau der CUP&CINO Coffee-Houses verantwortlich. Was sind Ihre ersten konkreten Projekte und Ziele?


Christoph Felderhoff: Ich werde mich bis ins kleinste Detail mit dem Konzept befassen und mich intensiv mit unseren bestehenden Franchise-Partnern und Mitarbeitern austauschen. Die Ziele sind klar fixiert. Dazu zählen: Erhöhung der Standortqualität, Reduzierung des Investments, operative Betreuung und konsequente Zusammenarbeit perspektivischer Franchise-Partner. Denn diese sind entscheidend für unser System und in der Lage, dieses mit uns weiterzuentwickeln.

Wie viele Neueröffnungen wollen Sie in den nächsten drei Jahren realisieren? Gibt es demnächst wesentliche Konzeptänderungen?


Christoph Felderhoff: Wachstum ist nicht nur eine Frage der geplanten Eröffnungen. Qualitatives und quantitatives Wachstum erfordern eine stabile Basis als Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum. Unser CUP&CINO Coffee House-Konzept ist in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen. Daher ist es unbedingt erforderlich, diese Erfolge nicht zu verwalten, sondern die richtigen Learnings daraus zu ziehen, um sich in den kommenden Jahren nachhaltig weiter zu entwickeln. Natürlich werden wir auch unsere Kaffee-Kompetenz in den kommenden Jahren sehr viel stärker im Markt positionieren.
 
Zur Person:
Christoph Felderhoff (54) hat zum 1. März die nationale Leitung des Franchisekonzeptes CUP&CINO Coffee-House übernommen. In den 5 Jahren zuvor war Felderhoff als „Director Operations“ für das operative Tagesgeschäft und die Führung der Starbucks Coffee Houses in Deutschland verantwortlich.