Was ist Franchising


Haben Sie eine (oder mehrere) der folgenden Aussagen schon einmal gehört?

„Ihr Erfolg ist unser Erfolg“

„Führen Sie Ihr eigenes Unternehmen! Wir helfen Ihnen dabei.“

„Seit über 15 Jahren unterstützen wir Menschen beim Sprung in die Selbständigkeit.“

„Selbständig, aber nicht auf sich alleine gestellt.“

Sie möchen Ihr eigener Chef sein und Ihr eigenes Unternehmen führen? Aber Sie wissen nicht genau, wo Sie anfangen sollen oder welche Ressourcen Sie für die Gründung benötigen? Das Marketing von Waren oder Dienstleistungen bereitet Ihnen Kopfzerbrechen und sie wissen nicht genau, wo Sie das passende Personal finden oder welche Art von Einarbeitung Sie anbieten müssen?

Von der Möglichkeit, sich per Franchising selbständig zu machen, haben Sie zwar schon gehört, aber Sie sind sich nicht ganz sicher, worum es dabei geht oder ob es das Richtige für Sie ist? Dann sind Sie hier richtig. In diesem Artikel bekommen Sie einen Überblick darüber, was man unter Franchising versteht, welche Besonderheiten es zu beachten gibt, und wie Sie das passende Franchisekonzept für sich finden können.

Weiter unten haben wir folgende Informationen für Sie zusammengestellt:

  • Einen kurzen Blick auf die Ursprünge der Vertriebsform Franchising
  • Eine genaue Definition von Franchising         
  • Eine Darstellung der verschiedenen Formen von Franchise-Unternehmen
  • Eine kurze Übersicht über die verschiedenen Franchise-Verträge
  • Einen kurzen Überblick darüber, wie sich Franchising auf das Alltagsleben auswirkt
  • Einen kurzen Blick auf den Einfluß von Franchise-Unternehmen auf das Wirtschaftsleben in Deutschland

Die Ursprünge des Franchisings:

Wenn die Anfänge der Vertriebsform Franchising zur Sprache kommen, denkt man normalerweise zuerst an McDonalds. Aber die Wurzeln dieser Unternehmensform gehen weiter zurück als die Erfolgsgeschichte des Fastfood-Giganten:

Als „Vater“ dieser erfolgreichen Geschäftsform gilt der Nähmaschinen-Erfinder Isaac Singer. Nach der bahnbrechenden Erfindung seiner Nähmaschine suchte Singer für sein Produkt nach Möglichkeiten, es auch außerhalb seiner näheren Umgebung verkaufen zu können. Weiterhin wollte er den Endkunden auch Produktschulungen anbieten, um sicherzustellen, dass sie die Maschine auch bestmöglich nutzen konnten. Das Ergebnis seiner Überlegungen war der Verauf von Lizenzen an bestehende Unternehmer in anderen Teilen des Landes, die diese zum Vertrieb von Singer Nähmaschinen berechtigten – den Vorläufern der heutigen Franchise-Lizenzen. Weitere interessante Infos zu diesem Thema finden Sie auch in unserer Infografik "200 Jahre Franchising"

Die Definition von Franchising:

Der Definition des Internationalen Franchise-Verbandes (IFA) zu Folge wird Franchising als eine Übereinkunft zweier rechtlich voneinander unabhängiger Parteien beschrieben, die folgende Bestandteile enthält:

  • Die Vergabe des Rechts zur Markennutzung und zum Vertrieb bestimmter Produkte / Dienstleistungen an den Geschäftspartner (Franchisenehmer) durch den Inhaber des bestehenden Unternehmens (Franchisegeber)
  • Die Erlaubnis, die erprobten Geschäftsabläufe zum Vertrieb bestimmter Waren und Dienstleistungen zu verwenden
  • Für den Franchisenehmer die Verpflichtung, dem Franchisegeber für diese Rechte monatlich eine vorab festgelegte Gebühr zu bezahlen
  • Für den Franchisegeber die Verpflichtung, dem Franchisenehmer die weiter oben genannten Rechte abzutreten und den Franchisenehmer bei seiner Geschäftstätigkeit zu unterstützen.

Die Vertriebsform Franchising kann auch als „Sammelstelle für Know-How und Ressourcen“ bezeichnet werden. Der Franchisegeber bringt sein Wissen und seine Erfahrung in das System ein während die Franchisenehmer das Kapital, Arbeitskraft und regionale Marktkenntnisse beisteuern. Franchising funktioniert als Partnerschaft auf gleicher Ebene für beiderseitigen Erfolg, nicht als reines „Verkäufer-Käufer-Verhältnis“. Daher besteht zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer auch in gewisser Weise ein „beiderseitiges Abhängigkeitsverhältnis“, das sich über die gesamte Dauer der Partnerschaft erstreckt.

Die heute beliebtesten Franchise-Unternehmen haben ausnahmslos den Schritt vom „kleinen Geschäft“ zum „Global Player“ geschafft. Die Masse der Franchise-Unternehmen jedoch zählt auch heute noch zu den sogenannten KMUs – mit meistens weniger als 100 Niederlassungen. Darüber hinaus gibt es auch bei den großen Franchisegebern Master-Franchisenehmer, die mehrere Filialen betreiben sowie Einzel-Franchise-Nehmer mit einer, im Höchstfall 2 – 3 Niederlassungen betreiben.

Geschäftsfelder im Franchising

Am besten geeignet für eine Expansion mit Franchising sind Geschäftskonzepte rund um den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen. Je nach Branche sind den einzelnen Produktpaletten keine Grenzen gesetzt. Insgesamt haben in den letzten Jahren immer mehr Branchen das Franchising für sich entdeckt.

Lizenzkonzepte vs. Franchise-Unternehmen

Bei produktbasierten Vertriebsmodellen sind die Lizenznehmer oft rein für den Verkauf der Produkte verantwortlich, die das jeweilige Lizenzkonzept anbietet. Dadurch entsteht zwischen Lizenzgeber und Lizenznehmer gewissermaßen eine Zulieferer-Händler-Beziehung. Der Lizenzgeber vergibt Recht am Gebrauch seiner Handelsmarke bzw. seines Firmenlogos und liefert die Produkte – stellt jedoch seinem Geschäftspartner kein ausformuliertes Geschäftskonzept zur Verfügung. Zumeist werden Filialen dieser Kategorie von sogenannten „Vertragshändlern“ betrieben.  Diese Art von Geschäftsmodell findet man häufig bei folgenden Geschäften: Kiosks, Vertrieb von nichtalkoholischen Getränken, Autohandel und Tankstellen.

Folgende Marken nutzen diese Art von Vertriebskonzept:

  • Coca-Cola
  • Goodyear (Reifen)
  • BMW (sowie viele andere Autohersteller)

Beim eigentlichen Franchising erhält der Franchisenehmer nicht nur die Erlaubnis, unter dem Markennamen seines Franchisegebers ein Geschäft aufzubauen, sondern er bekommt zusätzlich ein vollständig ausformuliertes Geschäftskonzept – also genaue Vorgaben zu Produktions- und Geschäftsabläufen, zur Einrichtung, zum Umgang mit Kunden usw.

Nach der Vertragsunterzeichnung haben die Franchisenehmer das Recht, die Marke bzw. den Markennamen des Franchisegebers zu nutzen und erhalten Zugriff auf sämtliche Handbücher und Vorgaben zu Ablaufplanung und Geschäftspraktiken. Bei der Übernahme eines Franchise-Konzeptes sind Training und Einarbeitung meistens genauso in der Investitionssumme inbegriffen wie EDV-Systeme, Handbücher und vorgefertigte Werbe- und Marketing-Unterlagen.

Auch wenn Franchisekonzepte traditionell eher mit der Lebensmittel-Industrie in Verbindung gebracht werden, so gibt es diese Art von Vertriebsform heute in vielen Branchen.

Hier einige Beispiele bekannter Franchise-Unternehmen, die nicht in der Lebensmittelbranche angesiedelt sind: