Soziales Franchising kurz erklärt

Dass Franchising hauptsächlich zur Gewinnerzielung eingesetzt wird, ist allgemein bekannt. Aber wie sieht es mit einer Kombination aus Franchising und wohltätiger Organisation aus?

Bei den meisten Franchise-Unternehmen liegt die Hauptmotivation in der Gewinnerzielung. Im Gegenzug dazu liegt die Hauptmotivation beim Sozialen Franchising oft darin, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das kann zum Beispiel darin bestehen, den Beschäftigungsstand innerhalb einer benachteiligten Bevölkerungsgruppe zu erhöhen. Die Erzielung eines Unternehmensgewinns bleibt zwar weiterhin ein wichtiger Teil der Unternehmenspolitik, wird aber vielmehr als Instrument zum Erreichen des eigentlichen Ziels definiert, nicht als das Hauptziel selbst.

Was versteht man unter dem Ausdruck „Soziales Franchising“

Soziales Franchising wird vor allem von denjenigen genutzt, die ein Problem innerhalb der Gesellschaft erkannt haben und danach streben, es unter Nutzung der gleichen unternehmerischen Prinzipien zu lösen, die auch genutzt werden, um traditionelle Franchise-Unternehmen aufzubauen, zu organisieren und zu leiten.

Die Social Sector Task Force des Internationalen Franchise-Verbandes (IFA) definiert Soziales Franchising als die Nutzung gewerblicher Franchise-Methoden zum Erreichen von Zielen, die der Gemeinschaft zu Gute kommen. Hier einige Schlüsselelemente des sozialen Franchising, zusammengestellt vom European Social Franchising Network (ESFN):

  1. Eine eigenständige Organisation, die ein Geschäftsmodell mit gemeinnützigem Hintergrund entwickelt und vervielfältigt (der soziale Franchisegeber)
  2. Wenigstens ein eigenständiger Franchisenehmer, der erfolgreich einen Franchise-Standort führt
  3. Eine gemeinsame Marke, die von allen Franchisenehmern genutzt wird
  4. Ein kontinuierlicher Wissensaustausch zwischen allen Mitgliedern des Netzwerkes
  5. Ein Vertrag, der Rechte und  Pflichten der beteiligten Parteien regelt um sicherzustellen, dass das Geschäftsmodell auch langfristig tragfähig ist

Soziales Franchising funktioniert weltweit.jpgWeiterhin hält der ESFN fest, dass sowohl der Franchisegeber als auch der Franchisenehmer mit ihren Unternehmen gemeinnützige Ziele unterstützen bzw. eine gemeinsame Wertebasis haben müssen.

Wie sehr die einzelnen Unternehmen dabei untereinander verzahnt sind, kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Einige dieser Franchise-Unternehmen arbeiten nach einem sehr genau vorformulierten Geschäftskonzept, bei anderen besteht mehr Gestaltungsfreiheit, was die Umsetzung des Konzeptes besteht. Nach Angaben des European Social Franchising Network (ESFN) befinden sich viele dieser Sozialen Franchise-Unternehmen im Gemeinschaftsbesitz der jeweiligen Franchisenehmer – und diese zahlen als Gegenleistung für erhaltene Unterstützung im Normalfall auch monatlich einen gewissen Geldbetrag an den Franchisegeber. Ob ein Unternehmen als „Soziales Franchise-Unternehmen bezeichnet werden kann, hängt jedoch nicht unmittelbar von diesen beiden Faktoren ab.

Wie bei allen anderen Franchise-Unternehmen auch gibt es auch hier Herausforderungen, die erst überwunden werden müssen, bevor man Erfolge feiern kann. Aber sind diese Hürden erst einmal überwunden, kann man mit Social Franchising viele Vorteile nutzen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit was die Anforderungen innerhalb einer bestimmten Region angeht
  • Eine schnellere Realisierung des Konzeptes an einem neuen Standort
  • Die Möglichkeit, innerhalb einer Einkaufsgemeinschaft bessere Bedingungen auszuhandeln
  • Eine verbesserte Reproduzierbarkeit erfolgreich umgesetzter Prozessabläufe
  • Eine am Markt etablierte Marke, die bei der Rekrutierung neuer Partner und Talente unterstützt

Wie oben bereits erwähnt, ist ESFN eine der größten offiziellen Organisationen, die kontinuierlich auf Soziales Franchising aufmerksam macht. Ursprünglich von den Mitgliedsstaaten der EU gegründet, steht die Mitgliedschaft dort lediglich Franchise-Unternehmen mit sozialer Komponente offen und ist völlig kostenfrei.

Des Weiteren gibt es in diesem Bereich auch noch das International Centre for Social Franchising (ICSF). Im Jahr 2011 von Dan Berelowitz und Michael Norton gegründet, ist die Organisation darum bemüht, die gemeinschaftsorientierte Ausrichtung seiner Partner dazu zu nutzen, das Bestreben nach Veränderungen innerhalb der Gesellschaft effizienter zu gestalten. Die Organisation hat ihren Hauptsitz in London und zwei weitere Niederlassungen in den USA (San Francisco) und Australien (Victoria).

Wachstumstrend Soziales Franchising

Auch wenn der Ausdruck mittlerweile in Europa und in Teilen des Mittleren Ostens, Afrikas und Asiens immer gebräuchlicher wird, so muss sich Social Franchising in den Vereinigten Staaten erst noch durchsetzen. Dort gibt es über eine Million Non-Profit-Organisationen – und diese Zahl steht in krassem Gegensatz zu den dort etablierten Sozialen Franchise-Unternehmen: Ca. 100 nach Zählungen des Magazins Franchising World

Dabei könnte der Schlüssel zum Erfolg einfach darin bestehen, mehr Informationen über diese Vertriebsform zu verbreiten. Ron Bruder  schrieb 2006 in einem Leitartikel für die Harvard Business Review [Artikel in englischer Sprache] über den Markteintritt seines sozial ausgerichteten Franchise-Unternehmens „Education For Employment“ Folgendes: “es war eine unorthodoxe Methode, bei der ich von potenziellen Geldgebern und Partnern weltweit auch einiges an Rückenwind zu spüren bekommen habe.“ Aber die Erfahrung Vieler hat gezeigt, dass ein solches Modell durchaus funktionieren kann. Und in manchen Fällen scheint es sogar so zu sein, dass Soziales Franchising manchmal in Zeiten großer Unsicherheit der einzige Weg zum Erfolg ist.”

Michael Seid, einer der Direktoren von Michael H. Seid & Associates, LLC (MSA) Worldwide, fügt noch hinzu: Weltweit gibt es überraschend wenige Franchisegeber im sozialen Bereich, die bis jetzt die erwünschten Erfolge vorzeigen können. Das liegt aber nicht unbedingt an Fehlern in den jeweiligen Geschäftskonzepten, sondern vielmehr an der fehlenden Erfahrung und dem mangelnden Verständnis der Branche, was ein derartiges Unternehmen anbetrifft . In diesem Bereich gibt es noch viel zu lernen. Besonders, was die Entwicklung  eines effizienten, tragfähigen und gut geführten Franchisekonzeptes anbetrifft.”

Um von den Grundprinzipien des Franchisings bestmöglich profitieren zu können, muss die wohltätige Organisation zuerst eine solide Basis für das Unternehmen schaffen. In dem von der Community Wealth Ventures, einer in Washington D.C. ansäßigen Unternehmensberatung und der IFA Education Foundation verfaßten Artikel “Nonprofit Owned Franchises: A Strategic Approach [Webseite in Englischer Sprache] finden sich hierzu einige wichtige Hinweise:

  • Finden Sie die richtigen Partner
  • Machen Sie bei Ihrem Geschäftskonzept keine Kompromisse
  • Vermarkten Sie gezielt ihre Partnerschaft
  • Führen Sie Protokoll über Ihre Geschäftszahlen und behalten Sie sie ständig im Auge

MSA Worldwide, eine international anerkannte Beraterfirma für Franchising hat mit der Anstellung von Julie McBride, einer Expertin auf dem Gebiet des Social Franchising  sein Beratungsangebot in diesem Bereich erheblich ausgebaut. McBride verfügt, nicht zuletzt durch ihre Beteiligung an einem der ersten Social Franchise-Unternehmen in Pakistan, über umfassende Erfahrung auf diesem Gebiet.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung eines Original-Artikels unserer amerikanischen Editorin Renee Bailey in englischer Sprache.

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