Existenzgründung im Wandel

Der aktuelle DIHK-Gründerreport im Vergleich zu aktuellen Entwicklungen in der deutschen Franchisewirtschaft

Jedes Jahr veröffentlicht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag seinen Gründerreport. Vor Kurzem wurde nun der aktuelle Report für das Jahr 2011 herausgegeben und liefert wieder interessantes Zahlenmaterial zum deutschen Markt aus der Sicht von (potenziellen) Existenzgründern. Insgesamt wurden die Erhebungen dieses Berichtes auf der Basis von über 320.000 IHK-Kontakten zu angehenden Unternehmern und Unternehmerinnen durchgeführt. Das hervorstechendste Ergebnis des diesjährigen Gründerreports scheint ein allgemein deutlich gesunkenes Gründungsinteresse zu sein. Dem Bericht zufolge nahmen im Geschäftsjahr 2011 insgesamt 8,7% weniger Interessenten IHK-Angebote zur Existenzgründung in Anspruch, als noch im Vorjahr. Dieser Rückgang ist dem Bericht zufolge auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen: Zum einen wirkt sich die stark gesunkene Arbeitslosigkeit in Deutschland auf das Gründungsinteresse der Deutschen aus, weil viele Neugründungen aus einer bestehenden Arbeitslosigkeit heraus durchgeführt werden. Zum Anderen sinkt die Bereitschaft zur beruflichen Selbstständigkeit auch mit der Anzahl der verfügbaren lukrativen Festanstellungen. Im Normalfall sinkt dann auch das Interesse an einer beruflichen Selbstständigkeit. Auch der zunehmende Fachkräftemangel begünstigt die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein allgemein verbessertes Wirtschaftsklima wirkt sich hingegen kaum als Antrieb für eine Existenzgründung aus. Als positiver Gegenpol hat sich das Gründungsinteresse von Frauen seit 2004 sehr positiv entwickelt. Der Anteil der Frauen, die an einer IHK-Gründungsberatung teilgenommen haben, ist im Zeitraum zwischen 2004 und 2011 von 31% auf 41% angestiegen. Im Jahr 2011 wurden rund 30% aller neuen Unternehmen von Frauen gegründet. Andere Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Frauen mehr Aufwand in die Planung ihrer Existenzgründung stecken und größtenteils die Geschäftsidee erst einmal nebenberuflich testen, bevor sie den Sprung in die Vollzeitselbstständigkeit wagen. Männer sind hier risikobereiter und starten oft gleich in Vollzeit durch. Interessanterweise hat die Franchisewirtschaft in Deutschland im Geschäftsjahr 2011 eine nahezu gegenläufige Entwicklung durchlaufen: Seit über 10 Jahren befindet sie sich konstant auf Wachstumskurs: So hat sich die Zahl der in Deutschland aktiven Franchisegeber von 750 im Jahr 2001 auf 990 im Jahr 2011 erhöht. Des Weiteren stieg die Anzahl der in Deutschland aktiven Franchisenehmer von 65.500 im Jahr 2010 auf im Folgejahr 66.900. Auch der Gesamtumsatz der Franchise-Industrie konnte im Vergleichszeitraum ein ansehnliches Plus verzeichnen: Von 55 Mrd. im Jahr 2009 stieg er 2010 auf 60,4 Mrd.* Als Gesamtergebnis des oben angestellten Vergleiches ergibt sich ein interessantes Bild: Es scheint, als würde Franchising als Weg in die berufliche Selbstständigkeit immer mehr an Boden gewinnen und der „traditionelle“ Weg der Existenzgründung im Gegenzug an Bedeutung verlieren. Das Team von Franchise Direkt wäre sehr interessiert, zu erfahren, was unsere Leser von dieser Interpretation halten. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion in diesem Blog und teilen Sie uns mit, ob Ihrer Meinung nach Franchisesystem oder „traditionelle Gründungen“ in Zukunft den Gründermarkt Deutschland dominieren werden. * Statistiken des Deutschen Franchise-Verbandes

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