Deutsche Esskultur als Grundlage für erfolgreiche Gastronomiekonzepte

Es müssen nicht immer Pizza und Döner sein. Auch die deutsche Küche hat einige Leckereien auf der Speisekarte, die jedoch bei uns immer stärker von ausländischen Spezialitäten verdrängt werden. Currywurst, Wiener Schnitzel, ein deftiger Schweinebraten oder Kasseler mit Sauerkraut – all diese Gerichte konnten unsere Großmütter (und vielleicht auch unsere Mütter) noch ohne Kochbuch aus dem Gedächtnis zaubern. Heute allerdings scheint es so zu sein, dass man sonntags lieber in ein amerikanisches Diner oder einen italienische Pizzeria geht, als beispielsweise in einen bodenständigen Landgasthof.

An dieser Entwicklung ist sicherlich die Franchise-Industrie nicht ganz unschuldig – immerhin kommen 90% der bei uns bekannten und erfolgreichen Gastronomie-Konzepte aus den USA. Zwar handelt es sich hierbei fast ausschließlich um Gastronomiekonzepte, die der Fastfood-Branche zuzuordnen sind, aber dennoch wirft diese Entwicklung die Frage auf, ob deutsche Gerichte wirklich „so regional“ sind, dass man sie einem internationalen Publikum im wahrsten Sinn des Wortes „nicht schmecken“ würden?

Currywurst nur im Ruhrgebiet? Jetzt nicht mehr.

Dies scheint zwar auf den ersten Blick am Wahrscheinlichsten zu sein, erfolgreiche Franchisegeber im Ausland beweisen jedoch das Gegenteil... So  zum Beispiel der Franchisegeber Currywurstbros mit Sitz in New York. Seit 2011 werden dort Brat-/ und Currywurst in verschiedensten Variationen angeboten. Und um den Kunden so individuelle „Currywurstwünsche“ wie möglich erfüllen zu können, gibt es eine große Auswahl an Currysaucen in unterschiedlichen „Schärfegraden“. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, findet sich hierzu auf der Speisekarte des Franchisegebers eine Art „Schärfelegende“, bei der die einzelnen Saucen mit einer steigenden Anzahl an Feuerzungen von „sehr mild“ bis „extrem scharf“ klassifiziert werden. Und selbst wenn es „um die Wurst geht“, hat der Kunde einige Wahlmöglichkeiten: für seine „perfekte Currywurst“ kann er zwischen Würsten aus Schweine-, Rind-, Kalb- oder Hühnerfleisch wählen.

Bayrische Schmankerl auch international ein Hit

Ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Vermarktung deutscher Küche im Ausland ist das Franchisekonzept brotzeit, das sich vor allem im asiatischen Kulturraum etabliert hat. Mittlerweile besteht die Kette aus insgesamt 18 Niederlassungen in China, Singapur, Hong Kong, Malaysia, Vietnam, Australien und auf den Philippinen.  Anders als der im vorherigen Absatz vorgestellte Franchisegeber hat sich brotzeit aber nicht nur auf ein bestimmtes deutsches Gericht spezialisiert, sondern bietet auf seiner Speisekarte eine Auswahl an deutschen Spezialitäten an, darunter  Pochiertes Ei mit Schwarzwälder Schinken und das „bayrische Nationalgericht“ Weißwurst mit Brez’n. Bei der Gestaltung der Speisekarte sticht vor allem eins ins Auge: Sämtliche Gerichte werden unter ihren deutschen Namen angeboten und lediglich zu Verständniszwecken ins Englische übersetzt. Damit wird der „deutsche Charakter“ der Restaurants noch verstärkt. Original deutsches Bier von Traditionsherstellern wie Paulaner und Hacker Pschorr runden das Angebot ab – und verleihen den Restaurants den Charme eines „Indoor-Biergartens“.

Deutscher Name für amerikanische Spezialitäten

Ganz so „stilecht“ wie beim Franchisegeber brotzeit geht es bei der amerikanischen Kette Wienerschnitzel leider nicht zu. Zwar läßt hier der Name ein durch und durch österreichisch / deutsches Restaurant vermuten, diese Vermutung erweist sich allerdings spätestens beim Blick auf die Speisekarte als Trugschluß: Hier finden sich nämlich lediglich die „üblichen Verdächtigen“ eines amerikanischen Diner-Konzeptes wie Burger, Hot Dogs und Sandwiches. Warum sich die Franchisegeber entschieden haben, ein „typisch amerikanisches Restaurant-Konzept“ unter einem deutschen Namen zu verkaufen, wird wahrscheinlich ihr Geheimnis bleiben – wir wollten es nur im Zusammenhang mit den anderen beiden Konzepte hier mit erwähnen, da es zeigt, dass die Namen traditionell deutscher Gerichte (und damit die Gerichte selbst) im Ausland durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Und mit bisher 14 Franchise-Niederlassungen, die seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1961 entstanden sind, scheint das Unternehmen auch in den USA über einen relativ hohen Bekanntheitsgrad zu verfügen.

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